Marianne Tralau bietet Sammlern Gelegenheit, ihre Objekte vorzustellen

Jedes Stück hat seine Geschichte

Eckernförde (dis)
    Marianne Tralau bietet Bürgern Gelegenheit, ihre oft unbekannten Sammlungen von allerlei Gerätschaften der Öffentlichkeit zu präsentieren. Pastor Dirk Homrighausen beispielsweise wird ab 9. März unter dem Titel „Schnee von gestern“ seine Sammlung Schneekugeln zeigen.

Foto: Steinmetz

  

Schneekugeln, Kreisel, Zuckerdosen, Blechspielzeug und vieles mehr verschwindet in Regalen, Kisten und dunklen Ecken und zieht Staub magisch an. Marianne Tralau, Künstlerin aus Köln, will das ändern und bietet Sammlern ab März regelmäßig ein Forum an, ihre Sammelleidenschaft zu präsentieren.

Die meisten Sammlungen fangen damit an, dass man etwas findet, dann würde man Gefallen daran finden und schließlich würde einem jeder noch mehr schenken, meinte Tralau. Eine Gelegenheit, ihre Sammlungen der Öffentlichkeit vorzustellen, bietet sich nun Interessierten im Atelier der Künstlerin in der Sankt-Nicolai-Straße 7.

Nach dem Aufruf in der Eckernförder Zeitung meldeten sich zahlreiche Bürger, die von ihren teils seltsamen Hobbys berichteten. „Man lernt sehr interessante Menschen kennen, es macht einfach Spaß“, so Tralau. So wird Pastor Dirk Homrighausen am 9. März um 12 Uhr seine Sammlung Schneekugeln unter dem Titel „Schnee von gestern“ präsentieren. Weiter wird es voraussichtlich mit einem Sammler gehen, der Mitglied im Club der Nilpferdfreunde in Bonn ist. Er wird eine große Zahl seiner dickhäutigen „Leidenschaften“ zeigen. Je nach Themen und Umfang der Sammlungen wird Tralau auch Sammlungen zusammen zeigen, so beispielsweise die von Modellen eines DCV- (Ente) Sammlers und eines Karman-Ghia-Sammlers.

Sie selber sammelt Vogelnester, berichtete Tralau, die im März 2000 ins Ostseebad kam. Zunächst wohnte sie als Stipendiatin im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus, und da es ihr in Eckernförde so gut gefiel, wechselte sie vom Rhein an die Ostsee. Langfristig strebt die Künstlerin, die selber viel mit Performance und Fotografie arbeitet, eine so genannte Frühstücksbühne an. „Als ich die Wohnung sah und die beiden Räume mit dem Torbogen, dachte ich, das ist eine Bühne“, so Tralau. Die Idee dazu hat sie aus Köln mitgebracht. Sie stellt sich vor, regelmäßig sonntags, während es Frühstück gibt, nebenbei die „Bühne“ für Interessierte zu öffnen, sich selbst, ihre Kunst oder was sonst zu zeigen und aufzuführen.

Zunächst aber ist sie sehr neugierig auf die Sammlungen, die donnerstags, freitags und sonnabends jeweils von 15 bis 18 Uhr zu sehen sind. „Schnee von gestern“ ist bis zum 5. April zu sehen. Wer selber noch originelle Sammlungen hat, also nicht Bierdeckel, Münzen oder Bleisoldaten, der wendet sich an Marianne Tralau unter der Rufnummer 04351/726404.

  

Erschienen in der Eckernförder Zeitung: 07.02.2002

 

Wenn Dinge reden könnten...“ ist der Titel einer Ausstellung im Museum der Stadt, in der Marianne Tralau ihre Sammelleidenschaft präsentiert.

Skurriles mit Geschichte

Eckernförde, Dirk Steinmetz

Was sammelt eigentlich Marianne Tralau, diese Frage stellte sich Dr. Uwe Beitz, Leiter des Museums der Stadt. Tralau selber bietet nämlich in ihrem Atelier monatlich wechselnden Sammlern auf der Frühstücksbühne Gelegenheit, zu zeigen, was diese in Kästen und Kisten sammeln und horten. Im Museum der Stadt zeigt die vielseitige Künstlerin nun skurrile Objekte aus Metall, die sie von Reisen mitbrachte. Es seien fremdartige Gebrauchsgegenstände im Ruhestand, die längst ihren Werktag hinter sich hätten. Gezeigt werden Objekte, die sonst in Museen keinen Platz fänden.

Sie sei schon immer mit den Augen auf dem Boden gewesen, so Tralau, das habe sie von ihrem Vater gelernt, der Mineralien sammelte. Mit dem Fund eines Steinzeithammers in Dänemark war ihre Neugier erst richtig geweckt und sie begann gezielter nach originellen Fundstücken zu forschen. Zum Beispiel die metallene Ecke eines Deckeleinbandes eines Gebetsbuches eines Missionars. Das war ihr erstes Stück, welches sie 1966 in Dänemark von einem pensionierten Lehrer erwarb, der sie auch über den Steinzeithammerfund aufklärte. In der Folge stieß sie auf ihren Reisen immer wieder auf Menschen, die Objekte anboten. So auf einer Fähre nach Korsika, wo sie jemanden traf, der uraltes medizinisches Gerät, zum Zähneziehen aber auch für Hals-Nase- Ohren anbot. Weniger amüsiert war die Alltagsfunktion einer Geißelkette, die um 1350 n. Christus einem Flagellanten gehörte. Ihre ältesten Stücke sind metallene Barthaare von Alexander dem Großen, etwa 300 vor Christus gefertigt. „Das waren damals quasi Souvenirs, die es in Gold oder eben Eisen gab.“ Gerne mag sie ein anderes Stück, einen Torso, den ein Schamane in Kamtschatka trug und verloren hat. Um alle ihre Objekte ranken sich Geschichten, die man heute nur erahnen könne. Deshalb wäre sie schon froh, wenn die Dinge reden könnten.

Die Ausstellung, die bis zum 22. September zu sehen ist, zeigt mal ganz andere Aspekte, war Dr. Beitz darüber recht froh. Im kommenden Jahr wird es dann eine größere Ausstellung mit Arbeiten der aus Köln stammenden Künstlerin geben.

  

Erschienen in der Eckernförder Zeitung am 07.06.2002

Mütterchen“ am laufenden Band

Eckernförde, Patrick Luckenbach

Das Wohnzimmer von Uta Buhr wird in der nächsten Zeit etwas schmucklos erscheinen. Uta Buhr sammelt Matruschkapuppen, die sie jetzt im Atelier von Marianne Tralau der Öffentlichkeit zeigen möchte. Am vergangenen Sonnabend eröffneten die begeisterte Sammlerin und Marianne Tralau die zweite Ausstellung der Reihe „Sammlungen“ in den Räumen der neu eingerichteten „Frühstücksbühne“ in der St.-Nicolai-Straße 7.

127 Matruschkapuppen hat Uta Buhr bislang gesammelt. „Matruschkas stammen aus Russland, ins Deutsche übersetzt heißt Matruschka Mütterchen“, erklärt Uta Buhr mit leuchtenden Augen, als sie ihre erste Matruschkapuppe stolz den Besuchern zeigt. Dabei hält sie den Sockel des kunstvoll gestalteten Holzkörpers fest in den Händen, dreht den Oberkörper kurz herum und zaubert so weitere Matruschkapuppen hervor. „Vor dreißig Jahren fing alles an“, versucht Uta Buhr ihre Sammelleidenschaft zu erklären: „Da habe ich auf dem Flohmarkt dieses Mütterchen gekauft. Wenige Zeit später kamen dann die sieben Zwerge dazu“, sagt sie und zeigt eine Holzfigur in der Gestalt eines Zwerges, der in seinem Inneren sechs weitere, immer kleiner werdende Zwerge verbirgt. Acht Puppen kamen bis 1988 hinzu, bis sie im Fernsehen ein Portrait über eine Mitstreiterin sah, die 180 Puppen gesammelt hatte. Der Ehrgeiz von Uta Buhr war geweckt. Wohl wissend, dass „ich diese 180 Puppen wohl nie zusammenbekommen werde“, ist Uta Buhr auf ihre 127 „Schätzchen“ stolz: „Man muss ja bedenken, dass in jeder Figur weitere Puppen versteckt sind.“ So erhöht sich die Gesamtzahl auf 470 Puppen. Darunter sind auch einige ungewöhnliche Exemplare. So zum Beispiel eine Matruschka, die sie von ehemaligen Arbeitskollegen geschenkt bekommen hat. Sie zeigt einen Ausschnitt aus dem russischen Märchen „Der Feuervogel“ und ist zugleich die Lieblingspuppe von Uta Buhr, die bislang vergeblich versuchte, eine deutsche Übersetzung des Märchens zu erhalten: „Es wäre noch ein großer Wunsch von mir, einmal das Märchen nachlesen zu können“, verrät die Sammlerin. Besonders stolz ist Uta Buhr auf eine gut zwanzig Zentimeter große Matruschkapuppe. „Zwölf Puppen sind in ihr versteckt, doch die kleinste ist so groß wie ein Streichholzkopf“, zeigt sie den staunenden Besuchern die kleinste, aber dennoch kunstvoll gestaltete Puppe. Doch nicht alle Puppen haben ein Innenleben. „Manche sind auch hohl und können eine ganze Wodkaflasche verbergen“, schmunzelt Uta Buhr, wieder andere haben auch ein kleines Glockenspiel im Inneren. Einen Ehrenplatz hat auch die Weltkugel in der Matruschkasammlung: Eine Weltkugel hat im Inneren fünf weitere Kugeln versteckt, auf denen jeweils ein Kontinent abgebildet ist.

Marianne Tralau möchte noch weitere Sammlungen in ihrem Atelier präsentieren. So wird es im Anschluss an die Matruschkasammlung eine Sammlung von kunstvoll gestalteten Nilpferden geben. Aber auch Kunstausstellungen sind geplant. Konkret denkt Marianne Tralau an die Ausstellung einer Portraitreihe.

Wer in die Welt der Matruschkas eintauchen möchte, hat noch bis zum 24. Mai Gelegenheit, sie in den Räumen des Ateliers „Frühstücksbühne“ zu bewundern. Geöffnet ist die Ausstellung jeweils von Donnerstag bis Sonnabend von 15 Uhr bis 18 Uhr. Wer sich aktiv an der „Frühstücksbühne“ beteiligen oder selbst eine private Sammlung vorstellen möchte, kann sich an Marianne Tralau unter der Rufnummer 726404 wenden oder die Homepage http://tralau.com besuchen.

  

Erschienen in der Eckernförder Zeitung am 29.04.2002

 

Ausstellung mit 20 Künstlerinnen und Künstlern im Atelier Marianne Tralau

Vom Spielen und einem Spieltriebverlust

Eckernförde, Birte Sieland

Wenn Künstler spielen, erwartet Marianne Tralau etwas Besonderes. Deshalb hat sie rund 20 Kolleginnen und Kollegen aufgefordert, einen Beitrag zu diesem Thema für eine Ausstellung in ihrem Atelier in der Nicolaistraße 7 zu leisten. Seit Sonnabend ist das Ergebnis hier in der „Frühstücksbühne“ zu sehen.

Unterschiedlich sind die Definitionen vom Spielen. Mal geht es im Titel um Doktorspiele (in einer Arbeit von Gisela Vonnemann), dann mutmaßlich um Liebesspiele (bei der nackten Papp-Dame von Roswitha Ceglars mit dem Titel „Pack mich“). Ganz anders dagegen die Borstenfahrzeuge von Karin Ludmann: Sie erinnern an Zeiten, als Fantasie gefragt war, wenn Kinder ein Spielzeug haben wollten.

Die Künstlerin hat Schuh- und Kleiderbürsten mit Holzrädern versehen und so einen borstigen Fuhrpark zusammengestellt. „Spielen ist das Zentrum der Welt“, verdeutlicht Marianne Tralau ihre Ansicht. „Kinder erobern sie sich so.“ Von Künstlern erwarte sie, dass sie die Welt in Frage stellen. Das sei bei den Beiträgen nicht immer gelungen, doch sie hat sie ohne Wertung alle in die Ausstellung einbezogen. Einiges gefällt ihr aber sehr, etwa eine optisch bescheidene Arbeit der ehemaligen Künstlerhaus-Stipendiatin Ute Safrin, durch leise Geräusche bereichert. „Das ist etwas Lebendiges, Kreatives, irgendwie Heimliches.“

Mit der Erwartungshaltung des Betrachters spielt Falko Windhaus: Eine Putzkelle liegt auf einem Podest, dazu eine schriftliche Aufforderung, sie langsam anzuheben. Darunter verbergen sich ein Dorschpilker und der vermeintliche Fang.

Mit Materialien hat auch Katharina Mahrt gespielt. „Ich habe mit verschiedenen Stiften experimentiert, das Papier verknittert und wieder glatt gestrichen“, beschreibt die Grafikdesignerin die Entstehungsgeschichte der Skizze ihres Vaters.

Vieles hat in der experimentellen Phase den Weg ins Atelier gefunden, was den Charakter des Themas unterstreicht. Nicht immer blieb es aber beim Spaß am Spiel. In die Kategorie „mit dem Essen spielen“ fällt der bemalte und gelackte Zwieback, der nun rötlich und blau an der Wand prangt.

Von einem bedauernswerten Spieltriebverlust zeugt jedoch die Tatsache, dass für dieses ungenießbare Gebäckstück der Preis von 75 Euro verlangt wird. Da ist aus dem Spiel zu deutlich Ernst geworden.

Die Ausstellung läuft bis einschließlich 3. April. Geöffnet ist die Frühstücksbühne donnerstags bis sonnabends jeweils von 15 bis 18 Uhr (22. und 23. März geschlossen).

  

Erschienen in der Eckernförder Zeitung am 11.03.2003

 

Von Kuckuckseiern und Acryl

Eckernförde, Sylvia Meisner-Zimmermann
    „ K“ wie Kuckucksei: Da steht der Löffel - alles kalter Kaffee, und Marianne Tralau freut sich, wenn sie die Vernissage-Gäste durch Assoziationen und Irritationen erreichen konnte.

Foto: Meisner-Zimmermann

  

Ein Novum in der Geschichte des Eckernförder Museums: Seit Sonntag sind dort gleich zwei Ausstellungen zu betrachten. Zwei Ausstellungen, die miteinander nicht mehr zu tun haben, als dass bis zum 17. August die Werke von zwei Künstlerinnen gleichgewichtet und gleichzeitig zu sehen sind.

Zum einen findet der Besucher 31 Acrylbilder von Sylvia Goebel in den beiden Ausstellungsräumen der unteren Museums-Etage. Es sind abstrakte Werke, die jenseits des gegenständlich Darstellbaren liegen. Farbe ist in Sylvia Goebels Malerei das vorrangige Ausdrucksmittel. Dagmar Rösner in ihrer Einführung: „Farbflächen aus kräftigem Rot, warmem Ocker, transzendentem Blau und gebrochenem Weiß werden gegeneinandergesetzt, erzeugen eine Variationsbreite an unterschiedlichen Stimmungen.“ Figuren erscheinen schemenhaft, tauchen diffus aus den Farbumgebungen auf, einzeln, paar- und gruppenweise, gut auszumachen oder eher dem Einfühlungsvermögen des Betrachters überlassen. Die Farben sprechen an, die lockere Art, Hinter- und Untergründe zu zaubern, Flächen mit geheimnisvoller Bedeutung zu überziehen. Wann und wo die angedeuteten Geschichten spielen? Da muss jeder seine eigenen Antworten finden. Jeder, der sich in der Betrachtung der Tableaus verlieren kann, bekommt vielleicht den Blick geöffnet für die verborgenen Inhalte.

Die zweite Ausstellerin ist Marianne Tralau, die Neu-Eckernförderin mit dem stets aufs neue bewiesenen Talent, Menschen zu erreichen. Wie sie das schafft? Mit ihren Beiträgen zu Kunst und Kultur zwingt sie alle Betrachter, die sich auf ihre Art zu arbeiten und zu denken einlassen, zum Um- und Neu-denken. Un – Gewöhnliches ist ihre Stärke. Überraschungsspuren legen und Jagd auf die Heilige Kuh „Kunst“ veranstalten, ist wohl eine ihrer bevorzugten Arbeitsweisen. Hier geht sie nicht auf bekannten Wegen, hier wird fleißig daneben und darüber gesprungen. Hier wird heftig an festgefügten Vorstellungen gerüttelt. Und hat man sich erst einmal darauf eingelassen, den anfänglichen Schock beiseite geschoben, die Tür zum Gehirnskasterl geöffnet, dann macht sich das blanke Vergnügen breit. Sie ist zwar nicht die erste, die Museumsbesucher verunsichert, aber bestimmt die erste in Eckernförde. Was sie tut? Marianne Tralau legt Kuckuckseier. Mitten in die traditionelle Ausstellungsvielfalt hinein versteckt sie Dinge, die nicht dorthin gehören, fügt sie so gut ein, dass man erst auf den zweiten oder dritten Blick bemerkt, „das passt hier eigentlich nicht hin“. Ostern ist zwar vorbei, aber eine Suche lohnt.

Tipp: Tralau’sche Exponate sind mit einem „K“ wie Kuckucksei gekennzeichnet und verstecken sich überall. So liegt da in einem Behältnis – in dickflüssigem Braun – ein Tagesstempel. Titel: „K – Glück, versunken in dämmriger Süße, ersoffen in Sirup“. Und auch das zwanzig Jahre lang von der Künstlerin getragene Hemd mit der Aufschrift „Charlotte“ fügt sich gerahmt nahtlos in die Dauerausstellung ein. Marianne Tralau: „Die einen gehen heim und kommen erst wieder, wenn das Museum wieder clean ist. Den anderen bleibt nichts anderes übrig, als genau hinzuschauen.“ Nicht schlimm. Nur die Welt mit anderen Augen sehen.

  

Erschienen in der Eckernförder Zeitung am 12.05.2003

 

 

 

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