die strahlende Schnipplerin auf der Wiese

Zur Ausstellung Wiese - und
2 Installationen mit Scherenschnitten



Tischstandrähmchen finden sich einzeln oder in Kleingruppen mit den Porträts von Ehefrauen, Geliebten, Kindern, Bräuten auf den Schreibtischen von Chefs um diese gelegentlich an ihr Privatleben zu erinnern.

Scherenschnitte kamen im 17.Jahrh.aus China, erfreuten sich dann in Europa großer Beliebtheit als einfach herzustellendes Porträt im Profil von Ehefrauen, Kindern, Geliebten und Bräuten, zierlich gerahmt überm Schreibtisch hängend.

Wiese. Tischstandrähmchen auf dem Boden, nicht 2 oder 3 sondern 100, so aufgestellt, dass man gerade nicht mehr dazwischen herum gehen kann, ohne sie umzustoßen, jeweils 10x15 cm groß, ein mehr oder weniger erkennbares pflanzliches Gebilde enthaltend, schwarz auf weißem Grund, mit der Schere aus Papier ausgeschnitten: 100 Teile einer Wiese, entstanden in 10 Tagen, in ständig sich verändernder Vorgehensweise.
Am Anfang überwiegt das WAS – mehr oder weniger eine Pflanze – am Ende das WIE: Der Schnitt mit der Schere ins Papier, sogar mit geschlossenen Augen. Ganz zuletzt werden sogar Fertigteile übernommen: Fragmente von schwarzem Stoff mit weißen Blümchen.

Dieser findet sich in einer weiteren WIESE wieder, gegenüber hängend an der Wand, als Restlappen, überwandert von einer horizontalen Reihe weiterer Rähmchen, die diesen Stoff in Auflösung zeigen.

Die UR-WIESE taucht als Randbemerkung auf: 6 von 500 Fotos einer Wiese im Bergischen Land bei Köln, Bestandteile einer Installation „Transplantation einer Wiese“ 1992.

UND: Fotografie eines „Scherenschnitts“, Hecke in der Eifel.

von der Wiese zum Abstraktum  Slavica und Drago angesehen von Stephan 

Eckernförder Zeitung 240603

Die Wiese blüht in schwarz weiß

Marianne Tralau stellt in der Frühstücksbühne Scherenschnitte aus.


Eckernförde
fst


Das alte Thema Scherenschnitte greift Marianne Tralau in der Frühstücksbühne (Nicolai Str. 7) auf. Nicht als Jahrmarktskunst zur Belustigung des Publikums, sondern als flächige Rauminstallation mit dem Thema Wiese. Marianne Tralau beschreibt die Vorgeschichte der Ausstellung so: Vor Jahren transportierte sie unter dem Thema "Raumverpflanzung" eine Wiese ins Museum. 500 Fotos gaben in Originalgröße, aber in Einzelstücken eine Wiese in diesem ungewohnten Umfeld naturgetreu wieder. Diesmal ist es wieder ein Wiese, aber mehr verinnerlicht: Tischrähmchen finden sich normalerweise eher auf Schreibtischen mit den Portraits der Lieben. Hier sind es 101 der kleinen Rahmen, die Scherenschnitte mit Wiesenmotiven aufzeigen und natürlich auf dem Galerieboden stehen. Tralau berichtet: "Jeden Tag habe ich beim Schneiden der Motive das Konzept geändert, so entstand eine Metamorphosenreihe." Anfänglich sehr akribisch wurde sie immer experimentierfreudiger: "Zum Schluß habe ich auch blind geschnippelt und nicht nur Karton sondern auch Stoff genommen." Diese Bewegung ist deutlich in den Motiven zu erkennen. Zehn Tage konzentrierter und lustvoller Arbeit benötigte die Künstlerin um die vielen Rähmchen mit den kleinen schwarz-weißen Bildern zu füllen. Ergänzend hat sie auch einige der ursprünglichen Wiesenfotos und Muster von dem "blühenden Stoff" aufgestellt, die den Anfangs- und Endpunkt dieser Bilderreihe bilden. Assoziativ noch ein Foto eines Naturscherenschnittes aus den windumbrausten Flächen der Hocheifel. Ein kleines Higlight gelang ihr noch einen Tag vor der Ausstellungseröffnung beim Essen im Kontorhaus in der Frau Clara Strasse zu ergattern: Echte Jahrmarktsscherenschnitte des Wirtspaares Slavica und Drago Batas, die anmutig zeigen, wie diese auch in jungen Jahren niemals ausgesehen haben.
Die Ausstellung ist in der Frühstücksbühne ist bis zum 17.7. Donnerstags bis Sonnabends von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Im Internet weitere Infos unter http://tralau.com

Blühende Land.. äh Wiesenschaften

*alle Bilder vergrößern sich, wenn man sie anklickt!